
Wie viel Zeit verbringen Ihre Mitarbeiter täglich mit Umspannen statt mit Zerspanen? Wenn Sie als Inhaber eines kleinen Fertigungsbetriebs diese Frage nicht spontan beantworten können, wird es höchste Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme. Denn während Ihre 3-Achs-Maschine stillsteht und der Bediener zum x-ten Mal ein Werkstück neu aufspannt, produziert Ihr Wettbewerber bereits das nächste Teil – komplett fertig in einer einzigen Aufspannung.
Der Umstieg von 3-Achs auf 5-Achs-Technologie ist für kleine und mittlere Betriebe längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit. Nicht, weil plötzlich jeder Turbinenschaufeln fräsen muss, sondern weil sich mit dieser Technologie alltägliche Hydraulikblöcke, Gehäuseteile und Vorrichtungen deutlich wirtschaftlicher fertigen lassen. In diesem Leitfaden zeige ich Ihnen, wie Sie den Technologiesprung meistern – ohne Ihre Mitarbeiter zu überfordern oder Ihr Budget zu sprengen.
Die Entscheidung für eine 5-Achs-Maschine sollte nicht aus einer Laune heraus getroffen werden. Es gibt klare Indikatoren, die Ihnen zeigen, dass die Zeit reif ist. Der offensichtlichste: Ihre Rüstzeiten explodieren, während die Margen schrumpfen.
Stellen Sie sich vor: Ein typischer Hydraulikblock durchläuft auf Ihrer 3-Achs-Maschine vier bis sechs Aufspannungen. Bei durchschnittlich 45 bis 90 Minuten pro Umspannung – je nach Komplexität des Werkstücks – sprechen wir schnell von drei bis sechs Stunden unproduktiver Zeit – pro Bauteil! Multiplizieren Sie das mit Ihrem Stundensatz und der Anzahl solcher Teile pro Monat. Die Zahl, die dabei herauskommt, ist Ihr verstecktes Einsparpotenzial.
Aber es geht nicht nur um Hydraulikblöcke. Schauen Sie sich Ihr Teilespektrum genau an: Wie viele Ihrer Aufträge erfordern Bearbeitungen von mehreren Seiten? Wie oft lehnen Sie lukrative Anfragen ab, weil die Geometrie zu komplex für Ihre 3-Achs-Maschine ist? Und wie häufig produzieren Sie Ausschuss, weil sich beim dritten oder vierten Umspannen ein Winkelfehler eingeschlichen hat?
Ein weiteres Warnsignal ist der Fachkräftemangel. Wenn Sie keine qualifizierten Mitarbeiter mehr finden, müssen Sie die vorhandenen produktiver machen. Eine 5-Achs-Maschine, die mit speziell für die Anforderungen der Lohnfertigung konzipierte CNC-Lösungen arbeitet, kann die Produktivität pro Mitarbeiter verdoppeln – nicht durch Hetze, sondern durch intelligentere Prozesse.

Viele Betriebsinhaber schrecken vor der 5-Achs-Technologie zurück, weil sie an hochkomplexe Simultanbearbeitung denken. Dabei übersehen sie die goldene Mitte: die 3+2-Achs-Bearbeitung, auch positionierendes 5-Achs-Fräsen genannt.
Bei dieser Methode nutzen Sie die beiden Rotationsachsen zunächst nur, um Ihr Werkstück in die optimale Position zu bringen. Dann werden die Achsen geklemmt und Sie arbeiten wie gewohnt im 3-Achs-Modus weiter. Klingt simpel? Ist es auch! Und genau das macht es so genial für den Einstieg.
Ihre Mitarbeiter müssen nicht sofort komplexe Simultan-Programme schreiben. Sie positionieren das Teil einfach so, dass sie von oben an alle Flächen herankommen. Ein Hydraulikblock, der früher fünf Aufspannungen brauchte? Mit 3+2 schaffen Sie das in maximal zwei. Die Programmierung bleibt dabei fast identisch zu dem, was Ihre Leute bereits beherrschen.
Der psychologische Effekt ist nicht zu unterschätzen: Wenn Ihr Team sieht, wie ein bisher mehrstündiger Rüstmarathon auf 20 Minuten schrumpft, wächst die Begeisterung für die neue Technologie von selbst. Diese positive Erfahrung schafft die perfekte Basis für den späteren Einstieg in anspruchsvollere Bearbeitungsstrategien. Übrigens zeigen die technischen Unterschiede zwischen 3+2 und simultaner 5-Achs-Bearbeitung deutlich, dass für etwa 80 Prozent aller mehrseitigen Bearbeitungen die 3+2-Strategie vollkommen ausreicht.
Die Investition in entsprechende CAM-Software und Postprozessoren ist dabei überschaubar. Moderne Systeme bieten spezielle 3+2-Module, die sich intuitiv bedienen lassen. Wichtig ist nur, dass Sie von Anfang an auf die optimale 5-Achs-Spanntechnik für maximale Zugänglichkeit setzen. Denn die beste Maschine nützt nichts, wenn ein klobiger Schraubstock die Hälfte der Bearbeitungsmöglichkeiten blockiert.

Zahlen lügen nicht. Deshalb lassen Sie uns konkret werden. Ein mittelständischer Lohnfertiger mit 15 Mitarbeitern, der täglich zwei komplexe Hydraulikblöcke fertigt, kann durch den Umstieg auf 5-Achs-Technologie dramatische Einsparungen realisieren.
Nehmen wir ein reales Rechenbeispiel: Ihr Hydraulikblock benötigt auf der 3-Achs-Maschine vier Aufspannungen à 45 Minuten. Das sind drei Stunden Rüstzeit bei einem Stundensatz von 29,62 Euro für den Einrichter – macht 88,86 Euro nur für’s Umspannen. Auf der 5-Achs-Maschine brauchen Sie eine Aufspannung: 22,21 Euro. Ersparnis pro Teil: 66,65 Euro.
Dazu kommt die eingesparte Maschinenzeit. Durch optimale Werkzeuganstellung und kürzere Werkzeuge reduziert sich die Bearbeitungszeit um durchschnittlich 15 Prozent. Bei ursprünglich 60 Minuten Laufzeit sparen Sie 9 Minuten. Das klingt wenig? Hochgerechnet auf 200 Arbeitstage und zwei Teile täglich sind das 60 Stunden zusätzliche Kapazität pro Jahr!
Der wahre Gewinn liegt aber in der Fehlerreduzierung. Jedes Umspannen birgt das Risiko von Positionierungsfehlern. Sinkt Ihre Ausschussquote von drei auf 0,5 Prozent, sparen Sie bei Herstellkosten von 150 Euro pro Teil weitere 3,75 Euro. Addieren Sie alle Faktoren, kommen schnell 70 bis 80 Euro Ersparnis pro Bauteil zusammen. Hinzu kommen indirekte Einsparungen durch verringerten Logistik- und Verwaltungsaufwand bei Werkzeugen.
Diese Rechnung berücksichtigt noch nicht einmal die höheren Stundensätze, die Sie für 5-Achs-Bearbeitung verlangen können. Im Markt sind 110 statt 85 Euro pro Stunde durchaus realistisch. Weitere detaillierte Rechenbeispiele für typische 5-Achs-Bauteile bestätigen: Die Amortisation erfolgt oft schon nach 12 bis 18 Monaten.

Die beste Maschine ist nur so gut wie der Mensch, der sie bedient. Und hier liegt oft der Knackpunkt: Viele Inhaber unterschätzen den Schulungsaufwand oder – noch schlimmer – sparen daran.
Ihr erfahrener 3-Achs-Fräser muss kein Raketenwissenschaftler werden, um 5-Achs-Technologie zu beherrschen. Aber er braucht Zeit und die richtige Unterstützung. Ein bewährtes Konzept sieht so aus: Starten Sie mit einer einwöchigen Grundlagenschulung beim Steuerungs- (z. B. Heidenhain oder Siemens) oder CNC-Maschinenhersteller (z. B. POS). Hier lernen die Mitarbeiter die Kinematik verstehen und üben erste Schwenkbewegungen. Direkt im Anschluss folgt eine separate CAM-Schulung auf einem speziellen System (z. B. Siemens NX oder Mastercam). Zwei bis drei Tage reichen für die 3+2-Grundlagen.
Direkt im Anschluss folgt die CAM-Schulung. Zwei bis drei Tage reichen für die 3+2-Grundlagen. Wichtiger als die Theorie ist dann die Praxis: Planen Sie mindestens zwei Wochen ein, in denen ein erfahrener Anwendungstechniker Ihre Leute bei den ersten eigenen Teilen begleitet.
Der psychologische Aspekt ist entscheidend. Nehmen Sie die Angst vor der neuen Technik, indem Sie klein anfangen. Das erste 5-Achs-Teil sollte kein hochkomplexes Meisterwerk sein, sondern ein einfaches Gehäuse, das bisher drei Aufspannungen brauchte. Der Erfolgserlebnis-Effekt, wenn dieses Teil in einem Durchgang fertig wird, motiviert für die nächsten Schritte.
Dokumentieren Sie die Lernerfolge. Erstellen Sie gemeinsam mit dem Team eine Bibliothek von Standardlösungen für wiederkehrende Aufgaben. So wird aus individuellem Wissen kollektive Kompetenz. Und vergessen Sie nicht: Auch der Geschäftsführer sollte die Grundlagen verstehen. Sie müssen nicht selbst programmieren können, aber Sie sollten wissen, was möglich ist und wo die Grenzen liegen. Eine fundierte Einführung in die technischen Grundlagen der Positioniergenauigkeit bei 5-Achs-Maschinen hilft, die richtigen Fragen zu stellen.

Eine erfolgreiche 5-Achs-Implementierung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Hier ist Ihr bewährter Fahrplan für die ersten zwölf Monate:
Monate 1-3: Die Basis schaffen
Beginnen Sie mit der Hardware. Die Maschine sollte aufgestellt und eingemessen sein. Parallel dazu erfolgt die Installation von CAM-System und Postprozessor. Investieren Sie unbedingt in professionelle 5-Achs-Spanntechnik – der alte 3-Achs-Schraubstock ist hier fehl am Platz. Planen Sie von Beginn an auch angepasste Qualitätssicherungsmaßnahmen wie Erstteilprüfung mittels taktiler oder optischer Messtechnik ein.
Monate 4-6: Erste Erfolge ernten
Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf 3+2-Bearbeitung. Wählen Sie Bauteile aus Ihrem Standardsortiment, die viele Umspannungen erfordern. Hydraulikblöcke, Ventilgehäuse, Adapterplatten – alles, was von mehreren Seiten bearbeitet wird, ist jetzt Ihr Übungsfeld. Dokumentieren Sie die Zeiteinsparungen penibel. Diese Zahlen brauchen Sie für die interne Kommunikation und als Motivation.
Monate 7-9: Komplexität steigern
Jetzt wagen Sie sich an anspruchsvollere Teile. Gehäuse mit schrägen Bohrungen, Bauteile mit Freiformflächen an den Außenkanten. Immer noch im 3+2-Modus, aber mit komplexeren Anstellwinkeln. Parallel optimieren Sie Ihre Prozesse: Welche Werkzeuge haben sich bewährt? Wo können Sie Bearbeitungsstrategien standardisieren?
Monate 10-12: Der Sprung zur Simultanbearbeitung
Erst jetzt, wenn Team und Prozesse eingespielt sind, starten Sie mit echter 5-Achs-Simultanbearbeitung. Beginnen Sie mit einfachen Aufgaben wie umlaufenden Fasen oder Radien. Berücksichtigen Sie dabei, dass die echte Simultanbearbeitung höhere Anforderungen an Programmierung und Prozessüberwachung stellt; planen Sie ausreichend Zeit und personelle Ressourcen für Rückfragen und Fehlerkorrekturen ein. Ein Formeinsatz mit sanften Freiformflächen ist ein gutes Übungsprojekt. Holen Sie sich für diese Phase nochmals externe Unterstützung – die Investition lohnt sich.
Parallel zur technischen Implementierung müssen Sie auch kaufmännisch umdenken. Ihre Kalkulation muss die kürzeren Durchlaufzeiten und die höhere Wertschöpfung abbilden. Kommunizieren Sie aktiv mit Ihren Kunden über die neuen Möglichkeiten. Viele werden bereit sein, für kürzere Lieferzeiten und höhere Qualität einen Aufpreis zu zahlen. Die Praxis zeigt konkrete Einsparpotenziale durch reduzierte Rüstzeiten, die Sie als Argumentationshilfe nutzen können.
Ein letzter wichtiger Punkt: Planen Sie Budget für Rückschläge ein. Nicht jedes Teil gelingt beim ersten Versuch. Eine verschrottete Übungsplatine ist keine Katastrophe, sondern eine Investition in die Lernkurve. Mit modernen 5-Achs-Bearbeitungszentren mit serienmäßiger Vollausstattung und der richtigen Strategie minimieren Sie diese Anlaufschwierigkeiten jedoch deutlich.

Der Umstieg von 3-Achs auf 5-Achs-Technologie ist keine Raketenwissenschaft – es ist eine logische Evolution für jeden ambitionierten Fertigungsbetrieb. Die Zeiten, in denen 5-Achs-Maschinen nur etwas für Großbetriebe waren, sind definitiv vorbei. Moderne Maschinen, durchdachte Schulungskonzepte und flexible Finanzierungsmodelle machen den Technologiesprung auch für kleine Betriebe machbar und vor allem: hochprofitabel.
Fangen Sie klein an, aber fangen Sie an! Analysieren Sie Ihr Teilespektrum, identifizieren Sie die größten Zeitfresser und rechnen Sie Ihr Einsparpotenzial durch. Der erste Schritt ist oft der schwerste, aber auch der wichtigste. Ihre Wettbewerber schlafen nicht – während Sie noch überlegen, hat der Betrieb nebenan vielleicht schon umgestellt und fischt Ihnen die lukrativen Aufträge weg.
Viel Erfolg und heiße Späne!
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Mein Name ist Michael Helle, begeisterter Maschinenbauer und Inhaber von POS. In unserem Blog gibt es wertvolle Tipps für mittelständische CNC Anwender. Von Lohnfertigung bis Sondermaschinenbau: Für jeden ist etwas dabei – egal, ob Sie auf einer POS oder einem anderen CNC Bearbeitungszentrum arbeiten.

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